BCMS · BIA
RTO, RPO und MTPD: Drei Werte, drei unterschiedliche Entscheidungen
RTO beschreibt die Zielzeit bis zum Wiederanlauf, RPO den tolerierten Datenverlust und MTPD die äußerste Grenze des Ausfalls.
9 Minuten Lesezeit · Fachlicher Stand 14.10.2026
Was bedeutet MTPD?
MTPD steht für Maximum Tolerable Period of Disruption, auf Deutsch die maximal tolerierbare Ausfallzeit. Gemeint ist die Zeitspanne, nach der die Folgen eines Ausfalls für die Organisation nicht mehr tragbar sind, etwa weil vertragliche Fristen reißen, gesetzliche Pflichten verletzt werden oder der Schaden den Fortbestand gefährdet. Der BSI-Standard 200-4 verwendet dafür den Begriff maximal tolerierbare Ausfallzeit (MTA).
Die MTPD legt der Fachbereich in der Business-Impact-Analyse je Geschäftsprozess fest. Sie ist keine technische Größe, sondern die Grenze, aus der RTO und RPO abgeleitet werden: Die RTO muss deutlich vor der MTPD liegen, damit der Wiederanlauf mit Reserve abgeschlossen ist.
Was bedeutet RTO?
RTO steht für Recovery Time Objective, die Wiederanlaufzeit. Sie legt fest, innerhalb welcher Zeit nach einer Unterbrechung ein Prozess oder eine Ressource mindestens im Notbetrieb wieder laufen soll. Der BSI-Standard 200-4 spricht von der Wiederanlaufzeit (WAZ).
Die RTO ist ein Ziel, das sich die Organisation setzt, und liegt mit Reserve vor der MTPD. Für IT-Systeme wird aus der RTO des Geschäftsprozesses abgeleitet, bis wann Anwendungen, Daten und Schnittstellen wiederhergestellt sein müssen. Ob das gelingt, zeigt erst ein Wiederanlauftest.
Was bedeutet RPO?
RPO steht für Recovery Point Objective, den maximal tolerierbaren Datenverlust. Sie beschreibt, wie weit der wiederhergestellte Datenstand zurückliegen darf: Bei einer RPO von vier Stunden dürfen höchstens die Änderungen der letzten vier Stunden verloren gehen.
Die RPO bestimmt damit Sicherungsintervall und Replikationsverfahren. Eine nächtliche Datensicherung passt nicht zu einer RPO von einer Stunde, ganz gleich, wie schnell die Wiederherstellung selbst ist.
Die Begriffe dürfen nicht gegeneinander austauschbar sein
Die maximal tolerierbare Ausfallzeit setzt die geschäftliche Grenze. Die RTO liegt davor und beschreibt das Wiederanlaufziel. Die RPO beantwortet eine andere Frage: Auf welchen Datenstand muss zurückgekehrt werden können?
Ein Beispiel: drei Werte für einen Prozess
Angenommen, der Fachbereich stellt in der BIA fest, dass die Auftragsannahme nach 48 Stunden Ausfall vertragliche Fristen reißt. Die MTPD liegt dann bei 48 Stunden. Eine RTO von 24 Stunden lässt Reserve für Alarmierung, Entscheidung und Nacharbeit. Weil verlorene Aufträge kaum zu rekonstruieren sind, setzt der Fachbereich die RPO auf eine Stunde.
Jeder Wert stellt eine andere Anforderung: Die RTO verlangt einen erprobten Wiederanlaufplan, die RPO ein passendes Sicherungs- oder Replikationskonzept, die MTPD eine Grenze, an der sich Priorität und Eskalation ausrichten.
Zielwerte müssen technisch und organisatorisch zusammenpassen
Eine RTO von vier Stunden ist wertlos, wenn Entscheidungen, Ersatzarbeitsplätze oder Lieferantenzusagen erst nach einem Tag verfügbar sind. Anforderungen werden deshalb gegen vorhandene Fähigkeiten geprüft und als Lücke dokumentiert.
- Fachliche Zielzeit gegen technische Wiederherstellungszeit prüfen
- Datenverlusttoleranz mit Backup- und Replikationskonzept abgleichen
- Abhängige Leistungen in der richtigen Reihenfolge wiederanlaufen lassen
Verwendete Quellen
- BSI-Standard 200-4 Business Continuity Management · BSI · 2023
- ISO 22313:2020 · ISO · 2020
- BCMS-, BIA- und Übungsmuster · KaitoSec
