BIA
RTO, RPO und MTPD: Drei Werte, drei unterschiedliche Entscheidungen
RTO beschreibt die Zielzeit bis zum Wiederanlauf, RPO den tolerierten Datenverlust und MTPD die äußerste Grenze des Ausfalls.
7 Minuten Lesezeit · Fachlicher Stand 21.07.2026
Was bedeutet MTPD?
MTPD steht für Maximum Tolerable Period of Disruption, auf Deutsch die maximal tolerierbare Ausfallzeit. Gemeint ist die Zeitspanne, nach der die Folgen eines Ausfalls für die Organisation nicht mehr tragbar sind, etwa weil vertragliche Fristen reißen, gesetzliche Pflichten verletzt werden oder der Schaden den Fortbestand gefährdet. Der BSI-Standard 200-4 verwendet dafür den Begriff maximal tolerierbare Ausfallzeit (MTA).
Die MTPD legt der Fachbereich in der Business-Impact-Analyse je Geschäftsprozess fest. Sie ist keine technische Größe, sondern die Grenze, aus der RTO und RPO abgeleitet werden: Die RTO muss deutlich vor der MTPD liegen, damit der Wiederanlauf mit Reserve abgeschlossen ist.
Die Begriffe dürfen nicht gegeneinander austauschbar sein
Die maximal tolerierbare Ausfallzeit setzt die geschäftliche Grenze. Die RTO liegt davor und beschreibt das Wiederanlaufziel. Die RPO beantwortet eine andere Frage: Auf welchen Datenstand muss zurückgekehrt werden können?
Zielwerte müssen technisch und organisatorisch zusammenpassen
Eine RTO von vier Stunden ist wertlos, wenn Entscheidungen, Ersatzarbeitsplätze oder Lieferantenzusagen erst nach einem Tag verfügbar sind. Anforderungen werden deshalb gegen vorhandene Fähigkeiten geprüft und als Lücke dokumentiert.
- Fachliche Zielzeit gegen technische Wiederherstellungszeit prüfen
- Datenverlusttoleranz mit Backup- und Replikationskonzept abgleichen
- Abhängige Leistungen in der richtigen Reihenfolge wiederanlaufen lassen
Verwendete Quellen
- BSI-Standard 200-4 Business Continuity Management · BSI · 2023
- ISO 22313:2020 · ISO · 2020
- BCMS-, BIA- und Übungsmuster · KaitoSec